Das Bild schießt der Fotograf – nicht die Kamera!

Ist es euch auch schon aufgefallen? Die Zahl dieser Urlaubsfotografen mit Profi-Equipment – großen, schweren Kameras mit ansteckbaren Objektiven − steigt rasant. Aber lohnen sich diese Investitionen auch? Braucht man für das perfekte Bild wirklich eine so teure Ausstattung? Über diese Fragen, häufige Anfängerfehler und Portraitaufnahmen haben wir mit Fotografin Anna gesprochen.

Strand, Palmen, ein Vogel fliegt am Himmel.

Fotografie als erlernbare Kunst? Mit Talent, Wissen und Erfahrung entstehen gelungene Aufnahmen.

Fotografie: Erlernbare Kunst?

Fotografie ist Kunst und Handwerk zugleich. Professionelle Arbeit von angesehenen Fotografen hat nichts mit gelungenen Schnappschüssen zu tun. Kompositionen spielen eine wichtige Rolle, das Zusammenspiel muss passen, das Bild muss eine Aussage haben, eine Geschichte erzählen. Doch genauso wie Literaten nicht einfach drauflos dichten können, steckt auch hinter einer gelungenen Fotografie Wissen, Erfahrung und natürlich Talent. Anfänger müssen erst lernen, diese drei Faktoren richtig zu kombinieren. Fotografin Anna weiß, dass teure Ausstattung gerade von Anfängern viel zu oft überbewertet wird. „Man sollte niemals denken, dass eine teure Kamera einen guten Fotografen ausmacht! Besseres Equipment kann in manchen Situationen helfen, doch das Bild macht am Ende die Person hinter der Kamera!“

Wieso man sich teures Equipment sparen kann

„Mittlerweile kann man bei Kompaktkameras und Brigdekameras manuelle Einstellungen durchführen. Ich finde es wichtiger zu schauen, wie viel Geld man ausgeben kann oder möchte und dann viel Zeit in den Vergleich von Tests und Bewertungen in diesem Preisbereich zu investieren. Die Qualität der Bilder günstigerer Kameras ist sehr hochwertig. Wie gesagt, das Bild macht am Ende der Fotograf, die Kamera setzt nur die Anweisungen um. Ein guter Fotograf braucht keine teure Kamera für ein gutes Bild. Natürlich gibt es manchmal Bedingungen, bei denen ein größerer technischer Spielraum es einfacher macht, gewisse Aspekte in einem Foto herauszuarbeiten. Aber allgemein muss es keine teure Kamera sein.“ Bevor ihr also viel Geld in eine Kamera investiert, die ihr vielleicht noch gar nicht richtig bedienen könnt, wäre es von Vorteil, einen Fotografie-Anfänger-Kurs zu besuchen bzw. im Internet oder in Fachzeitschriften erste Grundkenntnisse zu erwerben. Anna haben wir natürlich trotzdem gefragt, mit welcher Kamera sie fotografiert. „Ich habe seit einigen Monaten eine Sony SLT Alpha 57K. Außerdem für spontane Schnappschüsse meine kleine Digicam von Kodak und mein Handy.“

Schwarz-weiß-Fotografie einer Tribühne

Beim Fotografieren ist es wichtig, auf Komposition, Fluchtpunkte und den Goldenen Schnitt zu achten.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

Dieses Sprichwort soll Anfänger trösten, wenn etwas mal nicht so gut geklappt hat. Auch Anna hatte zu Beginn mit Problemen zu kämpfen. „Die Komposition harmonierte nicht. Ich denke man entwickelt mit mehr Erfahrung einen Blick für eine interessante Aufnahme. Zu Beginn muss man sich neben einem Gefühl für eine schöne Zusammensetzung der einzelnen Bildelemente auch die theoretischen Hintergründe aneignen. Besonders wichtig sind dabei unter anderem der Goldene Schnitt und Fluchtpunkte. Häufig kann man bei Postaufnahmen den Schnitt korrigieren. Es ist einer der wichtigsten Lernprozesse, denn die Komposition hat großen Einfluss darauf, ob ein Bild für den Betrachter harmonisch und interessant erscheint.“

Palmen, Sonne, Wolken

Das Entstehen toller Bilder ist nicht an die Tageszeit gebunden.

Tolle Bilder sind tageszeitunabhängig

Die perfekte Tages- bzw. Nachtzeit zum Fotografieren gibt es nicht. Es gibt keine Tageszeit, die nicht geeignet ist. Jedoch muss man sein Equipment an die Gegebenheiten anpassen. Des Weiteren muss man technisch versiert sein. Natürlich sind die Farben bei Sonnenschein satter und lebendiger, aber dies bedeutet nicht, dass man bei bewölktem Himmel keine schönen Aufnahmen machen kann. Es gibt viele Tutorien im Internet, die erklären wie man Blende und Verschlusszeit optimal nutzen kann. Und danach heißt es ausprobieren!“

Fotografie eines Gänseblümchens

Streetart, Naturaufnahmen und Portraits zählen zu Annas aktuellen Interessen.

Was gilt es bei Portraitaufnahmen zu beachten?

Anna hat 2007 beschlossen ihr Interesse an der Fotografie praktisch umzusetzen. Einige ihrer Bilder könnt ihr auf ihrem Blog bestaunen. Prinzipiell fotografiert sie fast alles, was ihr vor die Linse kommt, aktuell interessiert sie sich aber sehr für Streetart, Naturaufnahmen und Portraits. „Ich habe gerade erst begonnen, mich mit dem Bereich der Portrait-Fotografie auseinanderzusetzten. Bei der Perspektive für Portraits kommt es darauf, an welches Ziel man sich gesetzt hat. Je nachdem welche Perspektive man wählt, kann man verschiedene Ausdrücke und Assoziationen erreichen. Man sollte auch hier, wie in den anderen Bereichen, auf die Zusammensetzung der Komposition achten. Das ging häufig unter bei mir und manchen anderen Anfängern, mit denen ich zusammen fotografiert habe. Meiner Ansicht nach sollte man sich vorher klarzumachen, was man eigentlich erreichen möchte und was das Bild ausdrücken soll. Wenn man das weiß, ist die Kommunikation zwischen Model und Fotograf hilfreich, um den Erwartungshorizont abzugleichen.“

Vielen Dank für das Interview und die schönen Fotografien.

Bilder: © Anna / www.l-a-y-l-a.blogspot.de

Liesa

Ich schreibe besonders gerne Texte, die ein wenig ironisch sind. Das passt zu meinem Charakter 😉 Meine Lieblings-Stylonic-Kategorien decken sich mit zwei Bereichen, die mir auch im Alltag sehr wichtig sind: Liebe und Essen. Ich reise sehr gerne, lese viel und besuche oft meine Familie in Österreich.

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