Das Besondere sehen: die Kunst der Alltagsfotografie

Sind die besten Fotos nicht die, die spontan im Alltag entstehen? Oft wird das vermeintlich Belanglose erst durch einen Schnappschuss zum Besonderen. Aber ist das wirklich so einfach – oder ist Alltagsfotografie eine Kunst für sich? Wir haben mit einer Fotobloggerin darüber gesprochen.

Das waren noch Zeiten! Unsere Eltern schleppten in ihrer Jugend klobige Analogkameras mit sich herum und knipsten in der Regel nur zu besonderen Anlässen – im Urlaub, bei Familienfeiern oder auf Geburtstagen – ein paar mehr oder weniger inszenierte Fotos. Die mussten sie dann für Tage zum Entwickeln geben und hinterher in ein Fotoalbum einkleben.

Wie sehr sich das gewandelt hat! Im digitalen Zeitalter lassen sich bei nahezu jeder Gelegenheit Fotos schießen – das Smartphone hat man schließlich immer, die Digicam immerhin oft dabei. So geht der Trend immer mehr in Richtung Alltagsfotografie. Auf unzähligen Fotoblogs im Internet teilen vor allem junge Menschen heutzutage die besonderen Momente, Orte und Beobachtungen ihres alltäglichen Lebens. Doch das ist gar nicht so einfach, wie ihr auch in diesem informativen Artikel nachlesen könnt.

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  Die Liebe zur Fotografie

 Die fünfzehnjährige Laura sieht das ähnlich. Sie weiß, dass gerade die einfachen Fotos oft die schwierigsten sind. Auf ihrem Blog laughlovelive-laura postet sie Bilder von den kleinen und großen Dingen ihres Lebens.

„Früher hat mir mein Dad mal so eine kleine grüne Digitalkamera gekauft, die war nicht besonders gut, aber ich hab es einfach geliebt, damit Bilder zu machen“, erklärt Laura den Ursprung ihrer Faszination fürs Fotografieren. Von da an waren Kameras ihr ständiger Begleiter, ihre ganz persönliche Leidenschaft. Allerdings wollte sie ihre Beobachtungen keineswegs nur für sich behalten: „Ich teile die Momente, die ich mit meiner Kamera festhalte, einfach gerne mit anderen.“ Aus diesem Antrieb heraus rief sie 2011 ihren Blog ins Leben.

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 Die großen Kleinigkeiten

Es sind gerade die unscheinbaren Dinge, denen Laura ihre Aufmerksamkeit schenkt: Menschen in vermeintlich gewöhnlichen Situationen, heimische Pflanzenwelten, vertraute Landschaften. „Ich finde, man sieht die gewohnte Welt durch die Kamera ganz anders. Zum Beispiel eine einfache Blume durch ein Makroobjektiv – beinahe fremd, aber wunderschön.“

Doch das gelingt nicht immer; das perfekte Foto muss, so Laura, einen ganz besonderen Ausdruck haben, beim Betrachter einen „Wow-Effekt“ auslösen. Ein talentierter Alltagsfotograf drückt eben doch nicht willkürlich auf den Auslöser, er braucht den Blick für das Besondere im Belanglosen. Übung und Konzentration auf die Umwelt sind dabei die Zauberworte.

 Die Kunst des Natürlichen

Doch selbst das richtige Motiv macht noch nicht das perfekte Foto. Für Laura unterliegen auch Alltagsfotos einem kreativen Schaffensprozess in Form einer wohlüberlegten Nachbearbeitung: „Ich liebe bearbeitete Fotos. Man kann so viel aus einem Bild herausholen, und sei es nur durch Kontrast und Helligkeit. Schon innerhalb von 20 bis 30 Sekunden kann ein Foto so ein ganz anderes Erscheinungsbild haben.“

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So bleibt schließlich die Erkenntnis, dass eben auch das Alltagsfoto, so spontan und ungezwungen es auch wirken mag, am Ende ein echtes Kunstwerk ist. Ein Kunstwerk, das einen ganz wesentlichen Sinn für uns Alltagstiere bietet: bei aller Gewöhnlichkeit den Blick für die Ungewöhnlichkeit der Dinge nicht zu verlieren.

Übrigens, für Fotografie-Neulinge hat Laura noch einen ganz einfachen Tipp: „Ausprobieren!“

Bild 1: © iStock/btrenkel

Bild 2: © http://laughlovelive-laura.blogspot.de/

Bild 3: © http://laughlovelive-laura.blogspot.de/

Chris

Chris

Ausgebildeter Informatiker + studierter Germanist = digitaler Redakteur!
Chris
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