Erst Freunde, dann ein Paar: 40 Days of Dating wagt den Selbstversuch

Jessica Walsh und Timothy Goodman waren vier Jahre lang Freunde bevor sie anfingen zu daten. Das Ganze haben die zwei Designer aus New York in einem Blog festgehalten. Der Clou: Sie haben sich nicht Hals über Kopf ineinander verliebt, sondern das Dating ganz gezielt als Experiment begonnen. Was passiert, wenn zwei Freunde versuchen ein Paar zu werden?

The Dating Rules from 40 Days of Dating on Vimeo.

Aus Freundschaft wird Liebe

Verliebt, Verlobt, Verheiratet. Unsere Vorstellung von der romantischen Liebesbeziehung, die in einer stabilen „bis das der Tod euch scheidet Ehe“ andauert, stammt erst aus dem 18.Jahrhundert. Vorher war die feste Partnerschaft eher eine Zweckgemeinschaft. Im besten Fall war man befreundet und funktionierte im Alltag gut zusammen. Heutzutage sind wir alle auf der Suche nach unserem Seelenverwandten, der Freund, talentierter Bettgefährte und perfekter Mitbewohner sein soll. Am Anfang muss dabei immer das Verliebtsein stehen. Denn wie wir aus den Medien wissen: Wenn die Schmetterlinge im Bauch Party feiern, muss es Liebe sein. Dabei kann Liebe auch wachsen. Hier setzt auch das Experiment „40 Days of Dating“ an.

Wenn die Jessica mit dem Timothy…

Jessica Walsh ist 26, lebt in New York und arbeitet als Designerin. Timothy Goldman ist 32, lebt ebenfalls in New York und arbeitet als Designer. Beide sind seit 4 Jahren befreundet. Jessica glaubt an die große Liebe und ist seit eineinhalb Jahren Single. Timothy hat Bindungsangst und hoppelt von einer Frau zur nächsten. Im Frühjahr 2013 beschließen sie zu daten. Aber nicht einfach so, weil die Jessi den Timmy jetzt doch ganz attraktiv findet, sondern natürlich, wie es sich für hippe New Yorker Designer gehört, in Form eines Experimentes mit eigenem Blog und Regeln. In den 40 Tagen durften sie keine andere Person auf ein romantisches Rendezvous treffen, mussten sich jeden Tag sehen, drei Mal die Woche ein offizielles Date haben und eine Paartherapie besuchen. Die jeweiligen Ereignisse des Tages wurden in Form von Kurzinterviews, Videos und Illustrationen festgehalten. Aber kann die geplante Beziehung klappen und können aus Freunden, die Liebende wurden, wieder Freunde werden?

Manchmal reicht nur das Händchenhalten nicht aus, damit eine Beziehung funktioniert.

Manchmal reicht nur das Händchenhalten nicht aus, damit eine Beziehung funktioniert.

Zweifel, Händchenhalten und Happy End?

Wenn ihr euch noch einmal selber den Blog von Jessica und Timothy durchlesen wollt und die Social Media Reality Liebesgeschichte miterleben möchtet, dann diesen Absatz bitte überspringen.

Tag 39 oder Trennung im Disneyland. Lange um den heißen Brei herumreden bringt ja auch nichts. Denn Jessis und Tims Beziehung entwickelt sich, trotz vieler Zweifel und unterhaltsamer Ereignisse, zu einer langsam erblühenden Liebe, um dann an Tag 39 im Disneyland doch zu enden. Anscheinend hatte Timothy an Jessica doch so einiges auszusetzten und beide kamen zu dem Schluss: Die Zeit zusammen war schön, aber Zukunft hat die Beziehung nicht. Wenn ihr mal ein bisschen schniefen wollt, könnt ihr euch auch das Video von Tag 40 angucken, denn, dass sich die beiden immer noch sehr mögen, ist klar. Wahrscheinlich ist den Freunden auch das Experiment an sich zum Verhängnis geworden, denn die strengen Regeln, besonders der Druck sich jeden Tag sehen zu müssen, machen vor allem Timothy zu schaffen und lassen es dann doch nicht wirklich zu, dass die Partnerschaft natürlich wachsen kann.

Beziehungsangst und zu schnelle Liebe

Das interessanteste am Experiment ist nicht unbedingt die Erkenntnis, dass Liebe durch gezieltes Dating wachsen kann, sondern, dass unsere Charaktereigenschaften und wie wir zu Beziehungen stehen nicht so einfach zu ändern sind. So verliebt sich die Liebessuchende schnell, der Beziehungsangsthase versucht nach den ersten Intimitäten (ab Tag 25 geht’s zur Sache) zu fliehen und entfernt sich immer mehr. Und das Ende vom Lied: Auch, wenn wir heutzutage fast alles planen können, die Liebe lässt sich weiterhin nicht so einfach manipulieren. So kann sie zwar wachsen, aber das macht sie noch lange nicht geeignet für eine Beziehung. Vielleicht dann doch lieber das Modell: nüchterne Zweckehe für den Beziehungsalltag und Maitresse für die Extraportion Liebe.

Erst Freunde, dann ein Liebespaar und dann wieder Freu- äh Business Partner.

Erst Freunde, dann ein Liebespaar und dann wieder Freu- äh Business Partner.

Was ist jetzt mit der Freundschaft?

Das problemtischte am Konzept „erst Freunde, dann Partner, dann wieder Freunde?“ ist das „dann wieder Freunde?“.  Auch bei Timothy und Jessica scheint das mit der Freundschaft nicht so einfach zu sein. So fühlte sich das Ende der Beziehung  für Timothy wie eine richtige Trennung an. „I was depressed after the project. It felt like a real breakup. “
Zwar geben sie an immer noch Freunde zu sein, sind jedoch jetzt vor allem Business Partner, denn das Ex-Paar hat die Filmrechte des Blog-Konzepts an Warner Brothers verkauft. Folgen soll auch noch ein Buch, das ihre „40 Days of Dating“ zusammenfasst. Laut den beiden Designern haben sie aus dem Experiment viel gelernt, vor allem über sich selber und wie sie mit Beziehungen umgehen. Zyniker mögen jetzt anmerken, dass wahrscheinlich auch der Film-Deal, das mediale Interesse und der eine oder andere Paycheck für Timothy und Jessica Motivation genug sein könnte weiterhin noch Business Partner..äh Freunde zu sein.

Unterhaltsam allemal

Trotzdem ist „40 Days of Dating“ ein interessantes Experiment. Vor allem deshalb, da sich die Protagonisten nicht schämen ehrlich zu sein und ihre Gefühle offen zu legen. Interessant ist auch, wie ganz unterschiedlich beide bestimmte Ereignisse wahrnehmen. Natürlich muss man die tweeigen Illustrationen und die doch oftmals sehr anstrengenden Intellektuellen-Hipster-Eigenschaften von Timothy (Ex-in-house Apple art director!) und Jessica mögen, aber ein netter Zeitvertreib ist das Rumstöbern im Blog allemal.

 

Die Datinggeschichte von Timothy und Jessica findet ihr natürlich auf  40 Days of Dating und ein interessantes Interview mit den beiden bietet auch slate.com.

 

Bild 1: Matthew Nigel /shutterstock.com, Bild 2: zimmytws /shutterstock.com

Maike

Maike

Geboren und aufgewachsen bei den Wikingern an der norddeutschen Ostseeküste, verbringe ich mein Leben nun im schönen Bayern. Bei Stylonic befülle ich besonders gerne die Kategorien Trends, Stil, Essen und Tonic mit Inhalt, aber an sich schreibe ich über alles, was sich nicht wehren kann.

Mein Motto: Home is where your Wifi connects automatically.
Mein Anti-Motto: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.
Maike

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