Fade Fantasy-Flut: Geht Fantasy die Fantasie aus?

Der Duden definiert „fade“ als „leicht unangenehm, nach nichts schmeckend, ohne jeglichen Reiz und daher langweilig“. Hinterlassen moderne Fantasy-Romane bei euch auch immer öfter diesen abgedroschenen Geschmack im Mund? Zwei Fantasy-Autoren erklären, warum die Fantasy-Flut mitunter gefährlich sein kann und wie gute Fantasy trotz Vampir-Overload auch heute noch funktioniert.

Fantasy Serien

Selbst die Fantasy-Figuren sind von Fantasy inzwischen gelangweilt.

Hilfe, gefährliche Überdosis!

Repetitiv, kitschig, zu wenig Fantasie: An vielen modernen Fantasy-Serien ist wahrlich nichts mehr mysteriös. Immer dieselben Plots, immer dieselben Charaktere – am allerliebsten der nach Außen eiskalte, aber nach Innen zuckersüße Vampirjunge – kurz: immer dieselbe Langeweile. Hier wird romantisch zugebissen, dort wird anzüglich Blut ausgesagt und an scheinbar jeder düsteren Straßenecke lauert ein zeitreisender Horror-Zombie aus dem Mittelalter. Wenig inspirierend.

Carola Kickers

Carola Kickers versucht Kick in die Fantasy-Welt zu bringen.

Das geht auch Carola Kickers – in Fantasy-Kreisen besser unter ihrem Pseudonym Carola Grayson bekannt – so. Sie ist leidenschaftliche Fantasy-Autorin und vom Überangebot an Fantasy-Werken viel mehr als nur „not amused“:

Ich halte diese Flut sogar für gefährlich, besonders für sehr junge Menschen. Nicht wenige wenden sich dadurch vielleicht wirklich magischen Praktiken zu und geraten so ebenfalls in den Esoterikstrudel oder sogar in Schlimmeres. Vampire drücken unsere Sehnsucht nach Unsterblichkeit und Schönheit aus. Daher werden uns diese auch immer erhalten bleiben. Aber die Schwemme an Fantasyserien erscheint mir schon fast manipulativ. Ich nutze da lieber meine eigene Fantasie.“

Mix aus Krimi, Gothic, Fantasy – und Menschlichkeit

Carola kam nicht wie viele Fantasy-Autoren als Trittbrettfahrerin zum Schreiben von Fantasy-Romanen, sondern hatte eine ganz andere Art von Antrieb: Fantasie.

Wie der Name schon sagt, braucht man dafür nur eines: Fantasie. Bei mir hat sich das aus einer ganz normalen Krimi-Kurzgeschichte entwickelt. Ich schrieb diese für ein Hörbuchprojekt, doch irgendwie fehlte das Tüpfelchen auf dem i.

Also entwickelte ich die Figur des Vampirs Jason Dawn, sehr zwielichtig, manchmal grausam und dann wieder sehr menschlich. Er hilft als oft ungebetener, verdeckter Ermittler. So wurde eine gesamte parallele Welt erschaffen. […]Aber es blieb nicht nur bei einem Genremix aus Krimi und Fantasy. Danach schrieb ich im Stil der alten Gothicnovellen weitere Geschichten.“

Inzwischen hat Carola Grayson schon etliche Fantasy-Bücher veröffentlicht und viele Nischen des Genres, drunter auch Gay Crime, für sich entdeckt. Auf ihrer eigenen Seite mck-music.com könnt ihr euch Kurzbeschreibungen ihrer Werke durchlesen.

Bei aller Magie und Mystik sucht sie inzwischen vor allem das Menschliche in ihren Figuren:

„Im Augenblick überfluten uns die Medien ja mit jeder Menge „magischen“ Wesen. Da sind zwar einige interessante Figuren dabei, doch mir ist das heute schon fast zu viel Magie und Zauberei. Ich vermisse oft das wahrhaft Mystische und Geheimnisvolle. Insofern gibt es keine Lieblingsgestalt. Im Augenblick tendiere ich sogar dazu, das ‚Menschliche‘ bei meinen Buchfiguren wieder hervorzuheben.“

Historisch statt illusorisch

Fantasy Geschichtsroman

Definitiv keine Einheitsware: Daniel Wolf schreibt „sophisticated“ Fantasy.

Der erfolgreiche Fantasy-Autor Christoph Lode, als Daniel Wolf in der Mystik-Welt unterwegs, setzt bei seinen Romanen neben Erfindungsgeist vor allem auf die geschichtlichen Rahmenbedingungen seiner Werke. Seine Bücher, die bedeutungsschwere Namen tragen, wie „Das Licht der Welt“ und „Das Salz der Erde“, bleiben alles andere als an der Fantasy-Oberfläche. Sie sind tiefgehende Historienromane mit romantischem Twist.

Er sieht die Fantasy-Flut daher für seine Schriftstellertätigkeit eher positiv: „Dass Fantasy bzw. Phantastik inzwischen in Literatur, Kino und TV stärker vertreten ist, heißt doch nur, dass das Genre im Mainstream angekommen ist – und das ist eine Entwicklung, die ich grundsätzlich begrüße. Natürlich gefällt mir nicht alles, was da so Neues auf den Markt kommt, aber das muss es auch gar nicht. Dank dieser Vielfalt ist ja für jeden was dabei.“

Der Fantasy-Boom kann also für Autoren sogar ein Bonus sein! Nur brauchen wir Leser Wege, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Wie erkenne ich gute Fantasy-Romane?

Mist forest

Wer sich an Kundenrezensionen und Leseproben hält, der kann hemmungslos in die Fantasy-Welt eintauchen.

Für uns Leser stellt sich jetzt nur noch die Frage, wie wir gute Phantastik beim derzeitigen Überangebot überhaupt ausfindig machen können.

Ein wichtiger Anhaltspunkt sind die Kundenrezensionen bei Verkaufsportalen wie Amazon – an den mittlerweile 394 Kundenrezensionen und durchschnittlich 4,5 Bewertungssternen für Daniel Wolfs „Das Salz der Erde“ kann der Leser schon viel ablesen.

Aber diese Bewertungen sind nicht alles. Kleine Leseproben helfen ebenfalls enorm bei der Entscheidung, ob das Buch etwas für mich ist. Carola hat dafür einen Leseproben-Podcast auf ihrer Seite veröffentlicht.

Wir sagen ‚Ja’ zur Flut an Finsternis, romantischer Grausamkeit, Magie und Übersinnlichkeit – aber auch zu Fantasie statt nur Fantasy!
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Marie

Marie

Im Stylonic-Team versuche ich mit meiner verqueren Birne ironisch und provokant und manchmal einfach mit Berliner Schnauze die staubige Online-Landschaft etwas aufzuwirbeln. Am liebsten schreibe ich über meine eigenen Erfahrungen beim Reisen oder Tagträumen und über die ganz normalen Verrücktheiten, die uns im Leben so begegnen. Wörter, von denen die Welt mehr braucht: quietschfidel und schnabulieren.
Marie

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