Indien in Wort und Tat: Eine Literaturreise mit praktischen Tipps

Das mystische Land voller Gegensätze hat schon zahlreiche Autoren mit seinen exotischen Gerüchen, Geschmäckern und Farben in den Bann gezogen. Lass uns also heute Indien durch die verzauberten Augen der Helden zweier Perlen der Weltliteratur kennenlernen: „Shantaram“ und „Schiffbruch mit Tiger“. Wir beginnen in Mumbai, wo Lin seiner großen Liebe und dem Tod ins Antlitz blickte und beenden unsere Reise an einem Ort, den es vielleicht gar nicht gibt. Doch das Leben ist (leider) kein Roman! Am Ende warten praktische Tipps aus eigener Erfahrung.

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Geheimnisvoll und voller Reize lockt Indien als Reiseziel.

Shantaram: Auf den Spuren von Lin und Prabaker

Gregory Roberts ist gewissermaßen der literarische Heilige aller Indienreisenden. Sein auf autobiografischen Fakten beruhendes Buch „Shantaram“ hat sich zum absoluten Lektüre-Klassiker für Indien-Touristen entwickelt. Der Held der Geschichte: Lin, der aus einem australischen Gefängnis ausbricht und nach Mumbai flüchtet, wo ihm Kulturschock, Kriminalität, Gewalt, Todeskampf, Schönheit, Freundschaft und Liebe begegnen.

Mumbai: Stadt der Gegensätze

Das frühere Bombay ist Hauptschauplatz von „Shantaram“ – in aller seiner Schönheit, Verruchtheit und bedrohlicher Gefahr. Lin findet hier sein neues zu Hause. Eine Google-Karte zeigt einige Stationen seines abenteuerlichen Aufenthalts. Vom ehemaligen Intellektuellen-Treffpunkt – und der heutigen Touri-Anlaufstelle – Leopold Café, über den Mumba Devi Temple bis hin zur atemberaubenden Moscheen-Insel Haji Ali Darga, die Lin als„mystisches Schiff im Lichte des Mondes“ wahrnahm. Der von Lin oft besuchte Chor Bazaar lädt mit allerlei Kuriositäten zu einer Schnuppertour ein. Auch der Sassoon Fischmarkt ist einen Besuch wert, er findet an einem der ältesten Hafenbecken in Mumbai statt. Für nervenstarke Touristen empfiehlt sich ein Besuch des Arthur Road Jail, das Lin nur knapp lebendig verließ. Es ist das älteste und größte Gefängnis Mumbais. Mehr Eindrücke Shantarams von Mumbais Vielfalt finden sich hier samt Bildern.

Goa: Aussteiger-Paradies

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Goa lädt ein zum Eintauchen in eine andere Kultur und Lebensweise.

Goa ist der romantische Schauplatz für den Höhepunkt von Karla und Lins Liebe. Als Karla nach Goa flieht, eilt ihr Lin auf einem Motorrad hinterher und will seine Liebe unter Beweis stellen. In Anjuna schließlich spürt er sie auf. Nach einer Woche voller Zärtlichkeit und Glück bittet Karla Lin, nicht nach Mumbai zurückzukehren. Doch dieser entschließt sich für die Heimreise – und damit gegen Karla.

Goa ist heute wie damals ein beliebtes Ziel für Sinnsuchende und Menschen, die sich eine Auszeit von der Hektik des indischen Landes gönnen wollen. Der kleinste Bundesstaat des Landes liegt etwa 600 km südlich von Mumbai und ist gut – und um einiges gemütlicher als in den überfüllten Bussen – in rund 12 Stunden per Nachtzug zu erreichen. Strand reiht sich hier an Strand und als Tourist weiß man zunächst nicht so recht, wohin. Am schönsten sind jedoch die Orte, die touristisch noch weniger erschlossen sind. So etwa der nördliche Terekhol Beach und der Querim Beach. Etwa südlicher am Mandrem Beach gibt es schon mehr Unterkünfte, allerdings auch viel Ruhe und Einsamkeit, ganz im Gegenteil zum nördlich anschließenden Arambol Beach, wo Langzeitaussteiger ihr Zuhause haben. Wer allerdings Highlife und Konfetti sucht, ist am Anjuna Beach am besten aufgehoben. Dort hielt sich Karla auf, als ein Deal in der Stadt schieflief. Wer Ruhe, Erholung, Sauberkeit und Naturzauber sucht, wird an Agonda, Cola und Butterfly Beach fündig.

„Schiffbruch mit Tiger“: Reale bengalische Spinnereien

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Aus Todesangst wird Freundschaft: Pi und sein animalischer Begleiter stützen sich gegenseitig.

Richard Parker, ein bengalischer Tiger, ist der einzige Gefährte des jungen Pi, der nach einem Schiffbruch auf dem Ozean treibt. Aus tierischer Angst entwickelt sich jedoch bald so etwas wie Freundschaft und Pi hält das Biest mit Futter und Wasser am Leben, während der Tiger den kleinen Jungen mit seiner Gegenwart vor dem Durchdrehen bewahrt. Das Buch beschreibt mehrere reale Orte Indiens.

Bay of Bengal: hier liegt Pondicherry – heute Puducherry -, eine frühere französische Kolonie, in der Pi aufwächst und die heute wie kein anderer Ort indische und französische Kultur vereint. Eine visuelle Tour durch das heutige Puducherry zeigt das eindrucksvoll. Die umgebende „Bay of Bengal“ ist die größte Bucht der Welt. Ein beeindruckendes Unterwasserleben mit Delfinen, Walen, Schildkröten und Schlangen trifft hier auf eine Inselvielfalt mit einigen gelegentlich aktiven Schlammvulkanen.

Munnar: Hierhin fuhr die Familie Patel in den Urlaub – und nicht nur sie. Die bergige Gegend im Kerala Bundesstaat im Süden Indiens zieht jährlich zahlreiche Touristen mit ihrer atemberaubenden Landschaft aus Teeplantagen an.

Madurai: Eine der ältesten Städte Südasiens mit dem hinduistischen Minakshi-Tempel ist ebenfalls ein beliebtes Touristen- und Pilgerziel, das im Buch erwähnt wird. Sie befindet sich im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu.

In „Life of Pi“ wird nie ganz klar, was echt und was erträumt oder schlichtweg erlogen ist, doch das macht den Reiz des Buches und auch der Reise durch die Schauplätze des Romans aus. Die Botschaft: Alles, auch die Wahrheit, ist relativ.

Praktische Tipps für die individuelle Indienreise:
  • Sich, immer gut mit weiter, luftiger Kleidung bedecken. Das schützt übrigens auch besser gegen extreme Hitze und Sonneneinstrahlung als viel nackte Haut.
  • Klare Grenzen aufzeigen, ohne zu provozieren: Vor allem Frauen sollten Respekt einfordern und Selbstbewusstsein ausstrahlen.
  • Falsche Höflichkeit, die wir aus Deutschland kennen, ist in Indien nicht angebracht und wird oft schamlos ausgenutzt.
  • Nachts nie alleine unterwegs sein, am besten ganz im Hostel oder Hotel bleiben.
  • Nur Wasser aus versiegelten Flaschen trinken.
  • Nicht mit links die Hand geben, das ist in Indien die Hand, mit der man sich nach dem Toilettengang säubert.
  • In Indien gibt es viele wilde Straßenhunde: Eine Tollwut-Impfung ist also ein absolutes Muss! Informationen über andere notwendige Impfungen sowie Tipps für eine passende Reiseapotheke und die wichtigsten Adressen in einem Notfall findet ihr bei diesen „Reiseinformationen von A-Z“ des Online Reiseportals Individuelle Asien Reise. Wenn Hunde aggressiv werden, hilft es übrigens meist, sich nach unten zu bücken und so zu tun, als würde man einen Stein aufheben. Umdrehen und weglaufen hingegen weckt den Jagdtrieb.
  • Toilettenpapier etc. nicht einfach wie in Deutschland herunterspülen, sondern in einem Mülleimer entsorgen. Das indische Kanalisationssystem ist nicht dafür gerüstet.
  • Vorsicht vor dem Hotel-Trick: Taxifahrer haben oft Deals mit bestimmten Hotels und werden versuchen, ihre Passagiere dorthin zu locken. Also niemals mit dem Taxi direkt vor einem Hotel parken, wenn man dort nicht reserviert hat! Die Hotelleitung wird oft sagen, dass sie ausgebucht sind und der Taxifahrer wird als „Retter“ einspringen und euch zu seinem Partner-Hotel bringen.
  • Unbedingt vor Abreise die Sicherheitswarnungen des Auswärtigen Amtes detailliert studieren und ernst nehmen, immer wieder wurde beispielsweise in letzter Zeit Frauen von Solo-Reisen in Indien abgeraten.
Noch ein paar praktische Reisebegleiter:
  1. Ein Wasserfilter, z.B. auf Basis von UV-Licht wie der SteriPEN oder mit mechanischer Wirkungsweise wie die Katadyn-Produkte, ist eine einmalige Investition (von etwa 50 Euro), die sich schnell finanziell und gesundheitlich auszahlt. Doch vor allem der ökologische Sinn ist hervorzuheben: So vermeidet man es als Tourist, das Gastgeberland mit Verpackungsmüll zu belasten.
  2. Ein Geldgürtel: Indien ist dicht bevölkert und dementsprechend kann es auf Straßen, öffentlichen Plätzen und in Cafés und Bars schnell eng werden. Der Money Belt schützt vor Langfingern.
  3. Eine kleine Extra-Geldbörse für Kleingeld: Rikscha-Fahrer haben selten Wechselgeld und auf diese Weise müsst ihr beim Bezahlen nicht gleich alle Wertsachen präsentieren oder gar einen großen Schein hinblättern.
  4. Klopapier! Der weiche, runde Begleiter sollte immer bei euch sein, denn Inder verwenden traditionell kein Toilettenpapier.
  5. Ein gutes Buch.

 

 

Bilder: bildagentur.panthermedia.net/korobkova/REDUXO/byheaven/

Marie

Marie

Im Stylonic-Team versuche ich mit meiner verqueren Birne ironisch und provokant und manchmal einfach mit Berliner Schnauze die staubige Online-Landschaft etwas aufzuwirbeln. Am liebsten schreibe ich über meine eigenen Erfahrungen beim Reisen oder Tagträumen und über die ganz normalen Verrücktheiten, die uns im Leben so begegnen. Wörter, von denen die Welt mehr braucht: quietschfidel und schnabulieren.
Marie

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