Japan – was wir uns vorstellen und wie es wirklich ist

Blühend rosafarbene Kirschbäume, Geishas und tonnenweise Sushi – so das Bild des Deutschen, wenn er nach Japan gefragt wird. Dazu kommen viele kleine wuselnde, mit Kamera bewaffnete Menschen, die für uns alle gleich aussehen und deren Verhalten wir einfach nicht verstehen. Vom immer währenden Lächeln bis zum standardisierten Peace-Zeichen, die japanische Kultur bleibt für uns ein Rätsel. Aber haben wir deshalb das Recht uns an Klischees und aberwitzigen Vorstellungen zu bedienen? Was ist an ihnen wirklich dran und finden uns die Japaner auch so komisch?

japan geisha

Japans wunderschöne Kultur fasziniert

Das Land der Geishas, Samurais und alten Tempel

Sie alle haben eins gemeinsam: sie gehören nicht mehr ins Bild des modernen Japans. Auch wenn in uns Deutschen diese Vorstellung womöglich ewig weiterlebt, geprägt durch Filme oder Bilder des alten Japans. Samurai Kämpfer gibt es wirklich nicht mehr, alte Tempel und Geishas aber existieren noch, sie haben lediglich an Bedeutung verloren. Und apropos Geisha: die stark geschminkte, zierlich elegante, tanzende, japanische Dame ist keineswegs eine Prostituierte, wie viele glauben. Sie mag sich zwar gekonnt bewegen und ihren Gästen aufreizend Speisen und alkoholische Getränke servieren, aber deshalb geht sie nicht gleich mit dem nächstbesten Kerl nach Hause.

Überall Manga und Anime

japan anime

Manga und Anime sind der Hit in Japan

So stellt man es sich vor und so ist es auch: die Japaner lieben Manga-Comics und Anime (Animationen im japanischen Stil wie z.B. Pokemon oder One Piece). So ist es auch nicht verwunderlich, dass es sogar Cafés – sogenannte Manga Kissas – gibt, die wie eine Bibliothek funktionieren. Das heißt, man kann sich Mangas für eine bestimmte Zeit ausleihen und sie im Café lesen, während man genüsslich ein erfrischendes Getränk schlürft. Verrückt! Wer aber nun denkt, die Comics und Animationen wären nur was für Kinder, liegt falsch, denn die Themen sind weitreichend und einige sind sogar explizit nicht für Minderjährige gedacht. Der Hype hat also in ganz Japan (und sogar darüber hinaus) in allen Altersgruppen eingeschlagen. Jedoch könnte man meinen, dass die Japaner es doch ein bisschen übertreiben, wenn man sich die sogenannten Maid-Cafés ansieht: hier bedienen hübsche Japanerinnen im Dienstmädchen-Outfit, deren Verhalten auf Anime Charakteren basiert. Aber gegen alle europäischen Vorstellungen von lüsternen Café Besuchern, gibt es hier wirklich nichts Anrüchiges zu finden. Denn wie auch anderswo sind sie ein Treffpunkt für Jung und Alt und auch für Pärchen. Die Aufmachung ist lediglich für unseren Geschmack etwas gewöhnungsbedürftig.

„Hallo Kätzchen“

Oder auch Hello Kitty genannt, ist die Kultfigur Japans, die Erfolge auf der ganzen Welt feiert und die jeder irgendwie ein bisschen mit dem Land verbindet. Dass die niedliche Katze – die anscheinend gar keine ist – eine japanische Erfindung ist, verwundert wohl keinen, denn generell scheint das japanische Volk auf alles zu fliegen, was auch nur ansatzweise knuffig und putzig ist. Das ist kein Klischee, sondern Fakt, der sich mit dem kleinen Wörtchen „Kawaii“ erklären lässt, was übersetzt so viel heißt wie liebenswert oder süß (Quelle). In Japan steht dieser Begriff bereits für ein gesamtes kulturelles Schönheitskonzept der Verniedlichung, sodass Japanreisende sogar auf Straßenschildern kleine Figuren entdecken können.

Origami – Falten will gelernt sein

Für uns typisch japanisch: Origami – die Faltkunst, die aus einem Blatt Papier Unglaubliches entstehen lässt. Auch wenn es der ein oder andere denken mag, Japaner sitzen nicht den ganzen Tag am Papierfalten und Schwänchen basteln, sondern sehen es eher als kleines Hobby und Zeitvertreib. In früheren Zeiten war das Falten nur der Oberschicht vorbehalten, da Papier einen hohen Wert hatte. Im Laufe der Jahrzehnte begann aber auch der Rest der Bevölkerung mit der Origami-Kunst und die Techniken wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Heute ist die Faltkunst natürlich auch in Europa angekommen, berühmt und beliebt. So gibt es sogar Blogs wie zum Beispiel kalami-kalami.blogspot.de von Tine, die dort tolle Origami-Kunstwerke präsentiert, sowie deren Diagramme (Anleitungen) und sogar Treffen zum gemeinsamen Basteln organisiert. Besonders der Fuse-Lukasheva Globe hat uns fasziniert, der aussieht wie ein großer Blumenball. Wie auch bereits die Manga-Comics, ist also auch das Origamifalten bis zu uns herübergeschwappt. Irgendwie scheint es uns doch zu gefallen, was die Japaner so erfinden…

japan tokio

Tokio ist eine der größten Metropolen der Welt

Kein Platz für Natur

Eine Stadt wie Tokio muss doch überfüllt, laut und verpestet sein. Immerhin leben dort rund 13 Millionen Menschen auf engem Raum zusammen und allein täglich befördern die U-Bahnen um die acht Millionen von ihnen (Quelle). Da bleibt kein Platz mehr für Entspannung und Natur, so scheint es. Entgegen aller Erwartungen aber, ist ein grünes Fleckchen in Japan nie weit, nicht mal in Tokio, denn nur rund fünf Prozent der gesamten Landesfläche sind überhaupt besiedelt. Dazu gibt es unendlich lange Küstenabschnitte und tolle Gebirge. Wer also eine kleine Auszeit vom Großstadttrubel sucht, muss nur eine kurze Autofahrt warten, bis ihn das Grün in Empfang nimmt. Zurück in der Metropole, wird wohl jeder ein anderes Empfinden haben, einige beschreiben Tokio sogar als ziemlich ruhig für eine Großstadt. Da bleibt nur eines: selbst herausfinden!

Rosarote Blütezeit

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Dieser Anblick lädt zum Träumen ein…

Mit der Vorstellung, Japan sei über und über mit rosa blühenden Kirschbäumen bedeckt, liegen wir gar nicht so falsch. Jedoch trifft das nicht das ganze Jahr über zu, sondern nur auf einige Wochen zwischen Ende März bis Mai, die sogenannte Blütezeit. Die Kirschblüte – Sakura – ist eines der bedeutendsten Symbole der japanischen Kultur, weshalb der Frühlingsanfang, der vom Blühen der Kirschbäume markiert wird, auch mit unzähligen Festen zelebriert wird. Zu dem sogenannten Hanami-Fest versammeln sich Freunde und Familie, einfacher gesagt, fast alle Japaner, in Parks und Gärten, um gemeinsam die Kirschblüten zu betrachten und sich daran zu erfreuen. Wer ein solches Spektakel also miterleben möchte, der sollte seine Reisezeit richtig legen!

Die Sache mit dem Gesang

Karaoke – ein regelrechter Volkssport in Japan, der uns immer wieder verblüfft. Verwunderung über die ausgelassene Stimmung der doch eigentlich so stillen, höflichen Japaner macht sich breit. Mittlerweile gehört Karaoke schon zur japanischen Kultur, immerhin wurde es dort erfunden. Und so dürfte es eigentlich wiederum niemanden wundern, wieso die Asiaten so darauf stehen. Im fernöstlichen Land ist es aber keineswegs wie bei uns, die wir vor einer riesen Meute alte Schlager zum Besten zu geben, sondern viel privater. In den meisten großen Städten befinden sich sogenannte Karaoke-Boxen, die man gemeinsam mit seinen Freunden mieten kann, um stundenlang voller Inbrunst seine Lieblingssongs zu schmettern. Da bekommt dann auch niemand mit, wenn mal der ein oder andere Ton daneben geht. Und das, so finden wir, passiert bei den Japanern ziemlich oft. Das liegt vielleicht aber auch nur daran, dass wir japanische Songs nicht verstehen und sich die Japaner mit englischen Liedern schwerer tun. Wie auch immer, Karaoke bleibt definitiv ein Muss bei einem Japan-Besuch!

Roher Fisch, gerollt

japan sushi

Lecker!

Beliebt, verehrt und verzehrt auf der ganzen Welt: Sushi. Die japanische Art, rohen Fisch mit Reis in allen Variationen zu formen, ist mittlerweile auch aus unseren Gefilden gar nicht mehr wegzudenken. Wie nicht anders zu erwarten, gibt es aber trotzdem ein paar Unterschiede. Erstens: wir essen Sushi mit Stäbchen (oder versuchen es zumindest), die Japaner mit der Hand. Außerdem wird die Rolle bei uns erst einmal dick in Sojasauce, gemischt mit Wasabi, getaucht. Für Japaner ein Unding: gewürzt wird hier separat! Und auch bitte nur die Fischseite in die Sauce tauchen; die würden wir nicht einmal finden… Ob aber nun Maki, Nigiri oder Sashimi, Sushi ist wohl das beste Exportprodukt Japans!

 

Und was denken die Japaner über uns? Zunächst einmal, dass wir sehr sehr groß (wohl geradezu riesig) sind und zum anderen nie lächeln. Naja, das lassen wir einmal so stehen, Vorurteile hat nun mal jeder. Um mehr zu erfahren, bleibt einem aber nur ein ehrliches Gespräch mit einem Japaner. Auf geht’s ins geheimnisvolle, fernöstliche Land!

 

Bild 1: forewer/panthermedia.net Bild 2: eaniton/panthermedia.net Bild 3: TongRo_ASIA/panthermedia.net Bild 4: Magus/panthermedia.net Bid 5: leungchopan/panthermedia.net

 

Bibi

Ob Kuchenverzierungen, neue Fitnesstrends oder Beauty-Tricks, Texte für Stylonic zu verfassen, inspiriert mich immer wieder etwas Neues auszuprobieren. Wenn ich mal nicht Fahrrad fahre, mit Freundinnen quatsche oder online shoppe (Schande über mich), schreibe ich deshalb besonders gerne über Beauty und Trends.

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