Verborgenen Kulturen eine Plattform bieten: Im Gespräch mit dem Mode- und Musiklabel TAYART

Womit können Menschen auf der ganzen Welt erreicht werden, egal welche Sprache sie sprechen? Mit Musik, Mode und Kunst. Genau hier setzt das Düsseldorfer Label TAYART an und nutzt diese Medien, um auf kulturelle Vielfalt aufmerksam zu machen. Wir haben mit TAYART über kurdische Persönlichkeiten, ihre nächsten Projekte und die Bedeutung von Mode und Musik für den kulturellen Austausch gesprochen.

Tayart

Tayart: kulturelle Vielfalt und musikalische Grenzüberschreitungen

TAYART: Mode, Musik und Kultur

„Der Begriff TAYART steht für Individualität, kulturelle Vielfalt, musikalische Grenzüberschreitungen, Völkerverständigung und für Kunst.“ Seit rund zwei Jahren bastelt das Team an der Verwirklichung des Mode- und Musiklabels TAYART, das seine Wurzeln in Düsseldorf hat. Das Netzwerk an kreativen Designern, Musikern und Unterstützern des Projekts reicht jedoch weit über die deutschen Grenzen hinaus, von Hong Kong, Cartagena, Istanbul bis New York. „Wir haben uns die Frage gestellt, wie wir es schaffen können, andere Menschen für verborgene Kulturen und Vielfalten zu interessieren, um daran teilzuhaben. Schnell wurde klar, dass Musik, Fashion, Kultur und Kunst angenehme Mittel dafür sein können. Da war die Idee, diese verschiedenen Bereiche in Kombination zu betrachten, geboren. Auch gerade den verborgenen Kulturen eine Plattform zu bieten, festigte schnell die Grundidee des Labels TAYART.“

 

Sakine

Sakine Cansiz: Ikone der Frauenbewegung

Das Sakine T-Shirt

Auf tayart.com findet ihr eine Auswahl an T-Shirts, Tank-Tops, Musik-Compilations und auch eine Tasche, die an eine Papiertüte erinnert. „Es sieht wie eine Papiertüte von McDonalds aus, ist aber aus hochwertigem Leder und in Handarbeit in Düsseldorf gefertigt worden.“ Ähnlich wie bei der Lunch Bag, die durch ihre limitierte Auflage und die außergewöhnliche Form etwas Besonderes bieten soll, sind auch die Shirts nicht einfach nur mit netten Motiven bedruckt. TAYART nutzt, wie auch schon die Designerin Aline Celi, die mit der Präsentation ihrer aktuellen Modekollektion auf der Berliner Fashion Week auf die Missstände in Brasilien aufmerksam machen will, Mode als Message. So sind die Tanks und Shirts der Sakine/„Voice of Resistance“ Collection mit dem Gesicht der jüngst ermordeten kurdischen Widerstandskämpferin, Mitbegründerin der PKK und Ikone der Frauenbewegung Sakine Cansiz bedruckt. Auch die anderen Kollektionen widmen sich der kurdischen Kultur. „Da kurdische Sprache und Kultur tatsächlich im Verborgenen lagen, war hier gerade der besondere Reiz. Ich glaube, dass wir unser Bestes versucht und umgesetzt haben, die kurdische Welt mit ihrem Lebensweg zu zeigen.“

 

Song for Sakine

Song for Sakine

Traditionelle Musik neu gemixt

Die Musik ist integraler Bestandteil von TAYART, das auch als Platenlabel fungiert. Traditionell kurdische Musik wird mit moderner Lounge- und House-Musik gemixt. Heraus kamen die Projekte Sakine und Kine Em. „Sivan war die Leit- und Identifikationsfigur der kurdischen Seele. Er hat dem Label TAYART sein Musikstück kostenlos zur Verfügung gestellt und Veränderungen an den Werken sowie Verbreitung bewilligt. Wir haben dieses Meisterwerk (KINE EM Text: 1908) durch die Zeitzone gezogen. Traditionelle Musik wurde mit Lounge, Deep House und progressive House gemixt. Die Mixe wurden von namhaften Künstlern neu interpretiert. Ebenfalls haben wir den Song „Song for Sakine“ gemacht. Auch diesen haben wir mit verschiedenen Remixen versehen. Da stoßen wir nicht immer auf Applaus. Wir überschreiten Grenzen und stehen daher auch kritischen Tönen gelassen gegenüber. Wir machen neugierig auf das Neue, auch wenn alle erstmal nicht wissen, wie sie zu diesen neuen modischen, musikalischen sowie künstlerischen Interpretationen stehen sollen. Eine Reaktion – meistens positiv, aber auch negativ – ist immer gesichert.“

 

Hilfsprojekte unterstützen

TAYART will nicht nur auf die einzelnen Kulturen aufmerksam machen, sondern spendet auch einen Teil der Erlöse, die durch den Verkauf der Shirts und Musik zusammenkommen. „Die Erlöse der Sakine Collection gehen vorrangig an Frauen und Kinderhilfsprojekte nach Syrien. Teilerlöse gehen ebenfalls an Frauenrechtsprogramme nach Afghanistan. Zudem wird ein Projekt in Afrika (Ghana) damit unterstützt. Ein Drogenhilfsprogramm in der Region Dersim (Türkei) ist auch ein Bestandteil der Unterstützung. Wir setzen auf Hilfsprojekte, die wir nicht über Umwege erreichen, damit wir sofort vor Ort tätig werden können. Die Verteilung der Gelder etc. aus dem Erlös unserer Projekte in verschiedenen Teilen der Welt ist für unsere Philosophie elementar wichtig.“ Auch werden die Kleidungsstücke nicht auf Kosten von Arbeitern in Billigproduktion gefertigt. „Die Produktionen finden in Deutschland und Italien in kleinen Mengen statt. Größere Produktionen sowie unsere aktuellen T-Shirts und Tanks werden zurzeit in Istanbul gefertigt.“

 

Sivan

KINE EM

 Die Zukunft von TAYART

Die kurdischen Projekte von TAYART sind dabei nur der Anfang. „Unsere nächsten Projekte werden sich mit den Armeniern beschäftigen. Danach sehr kontrovers mit Afghanistan, Afrika, Kinderarmut und Prostitution in Südamerika. Aber auch Themen, wie zum Beispiel unser Wunschbaumkonzept, werden kommen. Dieses Projekt wird den Menschen aus verschiedenen Kulturen eine einzigartige Plattform bieten, Wünsche auf dem gleichen Baum mit Wunschzetteln zu platzieren. Da freuen wir uns sehr darauf.“ Natürlich muss sich TAYART auch damit auseinander setzen, dass nicht jeder, der ihre Musik ansprechend findet oder die Kleidung stylisch, auch genau weiß, was er oder sie da eigentlich hört oder trägt. Ähnlich verhält es sich auch immer wieder mit anderen kulturellen „Helden“, wie Che Guevara oder Mao, die zu Popstars des Kommerz werden, aber genau wie Sakine auch kritisch betrachtet werden sollten. Doch TAYART geht es vor allem darum, durch leicht zugängliche Mode einen Dialog voran zu treiben und hoffentlich das Interesse der Träger zu wecken. „Che hätte, wenn er noch leben würde, Sakines Shirt getragen. Da bin ich mir sicher. Diejenigen, die unser Konzept und die Grundidee nicht ganz verstanden haben, sehen auch unsere Arbeit, beispielsweise mit Sakine, sehr kritisch. Zu Recht, genau das wollen wir erreichen! Sobald sie sich damit beschäftigt haben, die Unterschiede des Labels TAYART sehen und den sozialen Charakter für soziale Projekte, stehen sie hinter der Idee. Bei den Projekten geht es darum, nicht zu kommerzialisieren, sondern einen Rahmen für Respekt und Engagement zu bieten. Jeder sollte die Haltung dieser ungewöhnlichen Menschen kennen. Das sind Helden, die es auf den Hollywood-Leinwänden nicht gibt. Wir versuchen, etwas daran zu ändern.“  

 

Bilder: ©TAYART

Maike

Maike

Geboren und aufgewachsen bei den Wikingern an der norddeutschen Ostseeküste, verbringe ich mein Leben nun im schönen Bayern. Bei Stylonic befülle ich besonders gerne die Kategorien Trends, Stil, Essen und Tonic mit Inhalt, aber an sich schreibe ich über alles, was sich nicht wehren kann.

Mein Motto: Home is where your Wifi connects automatically.
Mein Anti-Motto: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.
Maike

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