Nähen für Anfänger: Wie aus Frust große Nähkunst wird

Verflixt und zugenäht! Wieder ein Nähprojekt abgebrochen, noch bevor es richtig begonnen hat! Während unser Zuhause mit halbfertigen Röcken, Schürzen und Taschen gepflastert ist, ist es unser Kopf mit Zweifeln: Bin ich nähuntauglich? Ob DIY-Idee, Gemüsegarten, Nähprojekt oder dieser Stylonic-Beitrag: Aller Anfang ist schwer! Deshalb haben wir Karin von „vernäht&zugeflixt“ gebeten, uns endlich einen Ruck zu geben und zu erklären, wie sie es zur bloggenden Super-Näh-Mami geschafft hat.

vernäht und zugeflixt

Karin ist genauso bunt und stylisch, wie ihre Nähkunst.

Der womöglich beste Blog-Name aller Zeiten

Eins muss man Karin schon mal lassen: Unkreativ ist sie nicht. Das verrät bereits ihr, wie wir finden, leicht genialer Blog-Name: Auf vernäht&zugeflixt.de schreibt sie über ihre Nähabenteuer und DIY auf höchstem Niveau. Ihre selbst entworfenen und genähten bunten Röcke, Kleider und Täschchen sind wahre Hingucker. Wie die 34-Jährige „nebenbei“ vier Kinder großzieht, ist uns schleierhaft.

Gottgegeben oder hart erkämpft?

Zuerst wollten wir aber eine wichtige Grundsatzdebatte in der Nähgemeinschaft in spe klären: Sind manche Menschen einfach Näh-Naturtalente, DIY-Disziplinjunkies und Geschicklichkeits-Genies oder gibt es auch sowas wie den Näh-Normalo? Wir haben Karin gefragt.

Stylonic: Braucht man besonderes Talent und Geschick zum Nähen?

Karin von „vernäht&zugeflixt“:

Nein, das höre ich zwar immer wieder, aber es ist nicht so. Ich besitze zwei linke Hände und bin alles andere als ein Naturtalent. Vielleicht braucht man am Anfang etwas länger und es klappt nicht alles auf Anhieb, aber gerade in dieser Phase ist es wichtig, nicht aufzugeben, sondern am Ball zu bleiben. Einige Frauen, die mir vor Jahren sagten, sie würden so gerne Nähen können wie ich, verdienen mittlerweile ihre Brötchen mit dem Verkauf ihrer Nähwerke.“

Wie fange ich überhaupt an?

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„Das will ich auch können!“

Dass aller Anfang schwer bis ziemlich frustrierend ist, braucht uns Näh-Anfängern keiner zu erzählen. Noch nervenaufreibender ist aber das Dranbleiben. Karin beschreibt hier ihre ersten Näh-Schritte bis zu den ersten kleinen Nähmeisterwerken für uns:

Wie bist du zum Nähen gekommen?

Alles begann mit der Geburt meiner dritten Tochter und der dadurch bedingten Job-Pause. Eine neue Herausforderung musste her. Als ich eines Tages eher unfreiwillig einen großen Stoffladen in der Nähe besuchte, war es um mich geschehen. Bis dahin war Handarbeit für mich zwar nie ein Thema gewesen – mir fehlte dafür die Geduld, die Vorstellungskraft und vor allem die Zeit – aber es war „Liebe auf den ersten Blick“. Einige der Stöffchen, die dort zu sehen waren, ließen mein Herz höher schlagen. Ich wollte sie unbedingt besitzen, also war es die logische Konsequenz, die Stoffe schlussendlich auch verarbeiten zu können.“

Vernäht und zugeflixt 3Wie hast du das Nähen gelernt?

Ich habe mir sehr viel selbst beigebracht, habe aber auch diverse Kurse besucht, in denen ich die Kursleiterinnen mit Fragen überschüttet habe.“

Was war das Erste, das du je genäht hast?

„Das erste Projekt war ein Jersey-Shirt für meine älteste Tochter. Kein leichtes Unterfangen. Ich saß die halbe Nacht vor der Nähmaschine und habe mehr Zeit mit dem Auftrennen von Nähten als mit dem eigentlichen Nähen verbracht. Aber es sah toll aus und ganz wichtig: es passte. Meine Tochter hat es geliebt und es gab Komplimente von Freunden.“

 

Und wann kann ich’s endlich?

Vernäht und zugeflixt 1Eine andere Frage, die uns Näh-Beginner plagt, ist, wie lange es dauert, bis man die verflixten Nadeln und Fäden endlich im Griff hat und damit im Idealfall wie ein Ninja hantieren kann. Karin macht uns Hoffnung:

Das kommt ein wenig drauf an, wie viel Zeit man investieren kann und möchte. Ich habe meine Kinder abends ins Bett gebracht und bin dann gleich in meinen Nähkeller verschwunden, anstatt mich auf das Sofa zu pflanzen. Wenn dich das Nähfieber erst mal gepackt hat, dann gibt es eh kein Entkommen. Ich habe bereits nach wenigen Wochen Kleider, Röcke etc. für meine Kinder genäht. Das ging so schnell, ich konnte es selbst kaum glauben. Heute gibt es so viele tolle bebilderte Anleitungen und auch Nähvideos, davon hätte ich damals nur träumen können.“

Nach wenigen Wochen können wir also schon halbe Strickmeister sein! Bis dahin müssen wir aber wohl noch einige zerfetzte Kleider, aufgetrennte Nähte und verlorene Fäden und Nerven in Kauf nehmen:

Vernäht und zugeflixt 4Gab es anfangs Projekte, die total danebengegangen sind und nicht mehr zu retten waren?

Oh ja, die gab es! Aber hey, das gehört dazu und es passiert Anfängern wie auch Profis. Es gehört schon eine Portion Mut dazu, einen wunderschönen, vielleicht sogar auch sehr teuren Stoff in Stücke zu schneiden und nicht zu wissen, ob das Projekt gelingt und man erfolgreich sein wird. Als Anfängerin war das für mich sehr hart und ich habe auch gerade aus diesem Grund einige Stoffe erst einmal nicht vernäht. Mit der Zeit schwindet das Angstgefühl und man ist einfach nur gespannt auf das Ergebnis.

Für Hilfe beim Einstieg ins Nähen empfehlen wir die fünf praktischen Tipps der Tagträumerin. Sie verrät, welches Zubehör gerade am Anfang wichtig ist und welche Anfängerprojekte sich eignen.

Wir danken Karin für das wundervolle, Mut machende Gespräch und wünschen allen Näh-Anfängern zähe Nerven, viel Durchhaltevermögen und den Durchbruch zum Nähmeister!

Marie

Im Stylonic-Team versuche ich mit meiner verqueren Birne ironisch und provokant und manchmal einfach mit Berliner Schnauze die staubige Online-Landschaft etwas aufzuwirbeln. Am liebsten schreibe ich über meine eigenen Erfahrungen beim Reisen oder Tagträumen und über die ganz normalen Verrücktheiten, die uns im Leben so begegnen. Wörter, von denen die Welt mehr braucht: quietschfidel und schnabulieren.
Marie

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